Geschichte & Geschichten
Architektur der Jahrhunderte in Leipzig – Romanik & Gotik

Nikolaikirche zu Leipzig
Nur zwei oberirdisch sichtbare Gebäude sind aus der Zeit des Mittelalters in der Innenstadt von Leipzig erhalten geblieben – die Nikolaikirche und die Thomaskirche.
Ev. Nikolaikirche zu Leipzig
Um 1165, nachdem Leipzig durch Markgraf Otto von Meißen das Stadt- und Marktrecht verliehen wurde, beginnen die Bürger von Leipzig mit dem Bau ihrer romanischen Stadtkirche St. Nikolai. Der erste Bau mit einer zweitürmigen Fassade war kleiner, als die heutige Kirche. Im frühen 14. Jahrhundert wurden der Chor erhöht, verlängert und gewölbt und das Querhaus erhöht. Wenig später wurden die Obergeschosse des Turms oktogonal aufgeführt. Im frühen 16. Jahrhundert ist die Kirche wohl zu klein geworden. Das Kirchenschiff wird abgetragen und zwischen 1513 und 1525 eine dreischiffige gotische Hallenkirche vermutlich durch Benedikt Eisenberg gebaut. An der Stellung des fünften Pfeilerpaars lässt sich ablesen, dass wohl auch eine Verlängerung der Kirche nach Osten geplant war. War es die Zeit der Reformation oder Geldmangel, die den Umbau beendeten?

Schiff der Nikolaikirche zu Leipzig
Das Innere der Kirche wird 1784 bis 1789 durch Johann carl Friedrich Dauthe völlig neu gestaltet und es entsteht einer der eindrucksvollsten klassizistischen Kirchenräume in Deutschland. Angeregt hatte den Umbau der Leipziger Bürgermeister Carl Wilhelm Müller. Die Ausmalung des neuen Kirchenraumes übernimmt der Leipziger Maler Adam Friedrich Oeser. 1859 bis 1866 wird eine neue Orgel durch Friedrich Ladegast eingebaut. Die Logenanbauten werden 1901 und 1902 abgebrochen und Kapellen und Treppenhäuser angebaut durch Richard Tschammer und Georg Weidenbach.
Die Nikolaikirche vereint in ihrem inneren und äußeren Bild die Baugeschichte in Leipzig von der Romanik bis ins frühe 20. Jahrhundert.
Bildergalerie Nikolaikirche zu Leipzig
- Schiff der Nikolaikirche
- Ev. Nikolaikirche Leipzig, Kapitell
Ev. Thomaskirche zu Leipzig

Nordseite der Thomaskirche zu Leipzig
1482 wird die romanische Kirche abgebrochen und der Bau eines neuen Kirchenschiffs beginnt. Es entsteht eine dreischiffige, gotische Hallenkirche, bis 1489 geleitet durch Konrad Pflüger. 1570/1571 erfolgt der Einbau der Emporen durch Hieronymus Lotter. Hans Richter d.J. gestaltet 1639 den Innernaum der Thomaskirche völlig um in Geschmack des barocken Zeitalters. Durch Johann Gregor Fuchs erhält der Turm 1702 einen neuen Abschluss.

Schiff der Thomaskirche zu Leipzig
1961 bis 1969 wird der Innenraum erneut umgestaltet mit dem Ziel, den mittelalterlichen Charakter der Kirche wieder herzustellen. Die historistische Gestaltung geht damit verloren.
Die Thomaskirche vermittelt heute das Bild einer gotischen Kirche, die im 19. Jahrhundert im Geschmack der Zeit überformt wurde.
Bildergalerie Ev. Thomaskirche zu Leipzig
- Thomaskirche zu Leipzig
- Thomaskirche zu Leipzig, Nordportal
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Quellen:
Wolfgang Hocquél: Leipzig Architektur von der Romanik bis zur Gegenwart, Passage Verlag Leipzig, 2010
Wolfgang Hocquél: Leipzig Baumeister und Bauten, Tourist Verlag Berlin Leipzig, 1990
Autor: Mirko Seidel am 8. Nov. 2019 15:46, Rubrik: Geschichte & Geschichten, Stadt Leipzig, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentar schreiben,